Baustellen begleiten Tobias Witt seit Beginn seiner beruflichen Karriere. Nach einer Ausbildung zum Zimmermann, ersten Jahren auf der Baustelle und einem Bauingenieurstudium fand er seinen Einstieg in die Baustoffprüfung über ein Betonfertigteilwerk, wo er als Prüfstellenleiter zum ersten Mal mit der Wissenschaft des Betons in Berührung kam. „Da bin ich infiziert worden“, sagt er. „Beton klingt simpel – Sand, Kies, Wasser, Zement. Aber jedes dieser Ausgangsmaterialien ist ein Naturprodukt und schwankt. Rezepturen reagieren empfindlich auf Wetterbedingungen und Temperaturen – alles spielt eine Rolle. Kleinste Veränderungen haben große Wirkung auf das Materialverhalten. Erfahrung spielt in der Baustoffprüfung eine große Rolle.“
Nicht nur die Faszination für das Material treibt ihn an – es ist auch das Bewusstsein für die Verantwortung dahinter. Nehmen Sie ein Ingenieurbauwerk, z.B. Eine Brücke. Die ist auf 100 Jahre Lebensdauer ausgelegt. Damit das funktioniert, muss der Beton exakt nach Rezepturvorgabe verbaut werden. „Wir sind die unabhängige Prüfinstanz, die das gewährleistet“, erklärt Witt.
Die neue Führungsverantwortung bedeutet für ihn vor allem eines: Gestaltungsspielraum. „Was mich an dieser Position reizt, ist die Möglichkeit, die Zukunft der ProBeton Baustoffprüfung mitzugestalten“, sagt Witt. Im Fokus steht zunächst solides Wachstum – neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einzuarbeiten, den Kundenkreis auszudehnen und die Standorte Leer und Soltau auszubauen. Mittelfristig möchte er auch die Prüfung von Bestandsbauwerken als weitere Dienstleistung ausbauen.
Bei der Mitarbeitersuche schaut er nach Menschen, die mitdenken wollen. Keine perfekten Lebensläufe, aber echtes Interesse. „Wer Lust auf Abwechslung hat, wer sich auch mal dreckig machen kann und wer nicht erwartet, dass jeder Tag um acht Uhr anfängt und um halb fünf aufhört – der ist bei uns richtig.“ Beton lässt sich lernen, Haltung nicht.
Auch die Frage, wie Künstliche Intelligenz die Baustoffprüfung verändern wird, beschäftigt ihn. Projekte wie „Beton 4.0″ der Uni Hannover, bei dem KI-gestützte Bildanalyse den Beton quasi im Flug bewertet, verfolgt er aufmerksam. „Das ist spannend. Aber bis das in der Breite ankommt, dauert es noch. Preislich rechnet sich das alles noch überhaupt nicht.“
Den Ausgleich zum Berufsalltag findet der Familienvater im Garten seines Hauses – am liebsten mit der Hacke in der Hand. „Gartenarbeit entspannt mich. Mein Kopf hört mal für eine Weile auf zu denken.“ Oder er tobt sich – gemeinsam mit seiner Frau – bei einem Tennismatch oder beim Hundesport aus.
Beton, sagt Tobias Witt, werde so schnell nicht abgelöst. „Beton hat einzigartige Qualitäten, auf die im Bau noch keiner verzichten kann.“ Und solange das so ist, hat Tobias Witt noch viel vor.